Was du vor deiner ersten Kartenlegung beachten solltest

Endlich liegen die ersten Lenormandkarten vor dir. Vielleicht hast du bereits ein wenig über die einzelnen Karten gelesen, einige Bedeutungen kennengelernt und möchtest nun nicht länger nur Theorie sammeln, sondern tatsächlich eine erste Kartenlegung ausprobieren.

Und dann sitzt du da.

36 Karten. Eine Frage im Kopf. Vielleicht noch ein Buch daneben. Und plötzlich tauchen ungefähr genauso viele Fragen auf wie Karten im Deck: Wie viele Karten soll ich nehmen? Muss ich etwas Bestimmtes tun, bevor ich anfange? Wie lange mische ich? Was, wenn ich überhaupt nichts erkenne? Und darf ich eigentlich noch einmal neu legen, wenn mir die Antwort nicht gefällt?

Keine Sorge. Für deine erste Lenormandlegung brauchst du weder einen perfekt vorbereiteten Tisch noch Kerzen, besondere Rituale oder eine geheimnisvolle Atmosphäre.

Was du wirklich brauchst, ist viel unspektakulärer – und wesentlich hilfreicher: eine klare Frage, ein vollständiges Kartendeck, etwas Ruhe und einen überschaubaren Aufbau, bei dem du überhaupt noch erkennen kannst, was deine Karten dir zeigen.

Schauen wir uns das Schritt für Schritt an.

Intuition und Lenormandkarten

1. Überlege zuerst, was du überhaupt wissen möchtest

Einer der häufigsten Fehler beginnt nicht beim Deuten, sondern schon davor: Man nimmt die Karten in die Hand, mischt und überlegt erst anschließend, worauf man eigentlich eine Antwort haben wollte.

Damit machst du es dir unnötig schwer.

Eine Frage gibt deiner Legung einen Rahmen. Dabei muss sie keineswegs besonders kunstvoll formuliert sein.

„Wie entwickelt sich meine berufliche Situation in den nächsten Wochen?“ ist beispielsweise wesentlich klarer als:

„Was kommt auf mich zu?“

Bei der zweiten Frage kann theoretisch alles gemeint sein – Beruf, Beziehung, Finanzen, der nächste Zahnarzttermin oder die Tatsache, dass morgen die Waschmaschine streikt.

Je genauer du weißt, worum es geht, desto leichter kannst du später beurteilen, welche Bedeutung einer Karte im jeweiligen Zusammenhang sinnvoll ist.

Das heißt allerdings nicht, dass du ausschließlich offene Fragen stellen darfst. Lenormandkarten können durchaus Entwicklungen und Tendenzen einer Situation zeigen. Entscheidend ist, dass du selbst weißt, welche Frage du beantwortet haben möchtest.


Ein kleines Beispiel

Angenommen, du möchtest wissen, wie sich eine neue Bekanntschaft entwickelt.

Dann könntest du fragen:

„Wie entwickelt sich der Kontakt zwischen uns in den nächsten vier Wochen?“

Damit hast du sowohl das Thema als auch einen Zeitraum festgelegt.

Ziehst du anschließend beispielsweise Karten, die für Nähe, Kommunikation und Verbindlichkeit stehen, kannst du diese wesentlich konkreter einordnen als bei der allgemeinen Frage „Was passiert in meinem Liebesleben?“.

Eine gute Fragestellung macht eine Legung also nicht magischer – sondern verständlicher.

Eine gute Deutung beginnt mit einer guten Frage

Wenn du unsicher bist, wie konkret eine Frage sein sollte oder warum sich manche Fragen wesentlich leichter deuten lassen als andere, findest du hier viele praktische Beispiele:

→ Klare Fragen beim Kartenlegen stellen

2. Nimm dir für die erste Legung nicht gleich zu viel vor

Natürlich ist das Große Blatt beeindruckend. Alle 36 Lenormandkarten liegen vor dir und theoretisch kannst du darin unglaublich viele Zusammenhänge erkennen.

Theoretisch.

Praktisch ist eine große Legung für die allererste Übung ungefähr so, als würdest du nach der ersten Fahrstunde beschließen, zur Übung einmal quer durch Berlin zu fahren.

Es geht – aber warum sollte man sich das antun?

Für deine erste Legung reichen wenige Karten vollkommen aus. Zwei oder drei Karten geben dir bereits die Möglichkeit, nicht nur einzelne Bedeutungen zu betrachten, sondern erste Zusammenhänge zu erkennen.

Bei drei Karten kannst du beispielsweise beobachten:

Was zeigt die erste Karte? Wie verändert die zweite das Thema? Und welche Entwicklung oder Ergänzung bringt die dritte Karte?

Das ist genug Material für eine echte Deutung, ohne dass du nach fünf Minuten zwischen 36 Karten sitzt und nicht mehr weißt, wo du überhaupt anfangen sollst.

Es geht bei deiner ersten Legung nicht darum, möglichst viel zu sehen. Es geht darum, das, was dort liegt, nachvollziehbar zu verstehen.

3. Prüfe dein Kartendeck, bevor du beginnst

Dieser Punkt klingt fast schon zu banal, um erwähnt zu werden. Trotzdem lohnt er sich.

Schau einmal nach, ob dein Lenormanddeck tatsächlich vollständig ist und alle 36 Karten enthält.

Gerade wenn Karten bereits benutzt wurden, kann schnell eine Karte zwischen Buchseiten, unter einem Notizblock oder an einem anderen erstaunlichen Ort verschwinden. Bei einer größeren Legung bemerkst du das spätestens dann, wenn am Ende nur noch 35 Karten vorhanden sind.

Ich arbeite außerdem am liebsten mit einem eigenen Kartendeck, das nur ich benutze. Meine Karten gebe ich nicht anderen Personen zum Mischen oder längeren Ansehen in die Hand. Das ist keine allgemeine Regel, die jeder übernehmen muss. Ich habe für mich einfach festgestellt, dass meine Legungen dadurch klarer und genauer bleiben.

Du darfst hier deine eigene Arbeitsweise entwickeln.

Entscheidend ist nicht, ob jemand eine bestimmte Regel aufgestellt hat. Entscheidend ist, ob du mit deiner Methode dauerhaft gut arbeiten kannst.

Kartenlegen mit Bauchgefühl und Intuition

4. Du brauchst keinen Altar – aber einen vernünftigen Platz

Für eine Kartenlegung brauchst du keine Kerzen, Kristalle oder Räucherstäbchen.

Wenn du Kerzen schön findest: natürlich. Zünde eine an.

Aber die Karten funktionieren nicht schlechter, nur weil neben ihnen statt eines Bergkristalls dein Kugelschreiber liegt.

Wichtiger ist etwas ganz anderes: Sorge dafür, dass du die Karten ordentlich auslegen und ungestört betrachten kannst.

Ein Tisch oder eine andere ausreichend große Fläche ist ideal. Außerdem würde ich dir Papier und Stift oder dein Kartentagebuch bereitlegen.

Und wenn möglich, gönne dir ein paar Minuten, in denen nicht gleichzeitig das Handy klingelt, der Fernseher läuft und jemand fragt, ob du weißt, wo die Autoschlüssel liegen.

Du musst beim Kartenlegen nicht vollkommen entspannt sein. Das wäre im wirklichen Leben auch etwas viel verlangt. Aber du solltest genug Aufmerksamkeit haben, um dich tatsächlich mit deiner Frage und den Karten beschäftigen zu können.

5. Mische die Karten so, wie es für dich stimmig ist

Auch hier gibt es keine vorgeschriebene Anzahl von Mischvorgängen.

Ich selbst mische so lange, bis ich innerlich das Gefühl habe: Jetzt ist es genug.

Das lässt sich schlecht in „siebenmal links und anschließend dreimal rechts“ übersetzen – und genau das muss es auch nicht.

Wichtig ist, dass du eine Methode findest, mit der du dein Deck zuverlässig durchmischst und mit der du dich wohlfühlst.

Fällt beim Mischen eine Karte heraus, schaue ich sie mir durchaus als ersten kleinen Hinweis an. Anschließend kommt sie aber wieder zurück ins Deck. Besonders bei einer größeren Legung müssen schließlich alle Karten wieder vorhanden sein – und die herausgefallene Karte kann später im eigentlichen Kartenbild noch gebraucht werden.

Wie ich mit verschiedenen Mischmethoden und herausfallenden Karten umgehe, haben wir auf einer eigenen Seite ausführlich behandelt. Deshalb müssen wir hier aus dem Mischen keine Wissenschaft für sich machen.

Wie mischt man Lenormandkarten eigentlich richtig?

Welche Mischmethode geeignet ist, wie lange du mischen solltest und was ich mit Karten mache, die beim Mischen herausfallen, erkläre ich ausführlich im eigenen Praxisartikel.

→ Lenormandkarten mischen – so findest du deine Methode

6. Lege die Karten erst aus – und schau dann wirklich hin

Das klingt selbstverständlich, wird aber beim Lernen erstaunlich leicht vergessen.

Eine Karte wird umgedreht – und schon beginnt im Kopf die Suche nach Stichwörtern:

„Baum … Gesundheit, Wachstum, Dauer … was stand noch im Buch?“

Warte einen kleinen Moment.

Schau dir zunächst an, welche Karten tatsächlich vor dir liegen. Und erinnere dich an deine Frage.

Erst dann gehst du an die Deutung.


Beispiel: Eine berufliche Frage

Du hast gefragt:

„Wie entwickelt sich mein geplantes berufliches Vorhaben in den nächsten Wochen?“

Nun liegen drei Karten vor dir.

Statt jede Karte getrennt abzuarbeiten, überlegst du zunächst:

Welches Grundthema erkenne ich? Wo unterstützt eine Karte die andere? Gibt es einen Hinweis auf Verzögerung, Bewegung, Erfolg oder Schwierigkeiten?

Damit richtest du deine Aufmerksamkeit auf die eigentliche Aussage des Kartenbildes.

Genau hier beginnt der Unterschied zwischen „Ich kenne die Bedeutungen der Karten“ und „Ich kann mit den Karten eine Frage beantworten“.

Du musst dabei bei deiner ersten Legung noch keine perfekte Deutung formulieren.

Ein einfacher Satz ist vollkommen ausreichend.

Wenn du nach zehn Minuten drei verschiedene Bücher geöffnet hast und inzwischen zwölf mögliche Bedeutungen gefunden hast, wird deine Deutung meist nicht klarer. Meist hast du anschließend nur zwölf neue Möglichkeiten, an dir zu zweifeln.

Bleib zunächst bei dem, was du selbst nachvollziehbar aus den Karten ableiten kannst.

7. Lass eine Antwort auch einmal stehen

Dieser Punkt ist mir besonders wichtig.

Wenn dir eine Legung nicht gefällt oder du sie nicht sofort verstehst, mische nicht einfach alles wieder zusammen und stelle dieselbe Frage noch einmal.

Und noch einmal.

Und vielleicht sicherheitshalber ein viertes Mal.

Irgendwann bekommst du garantiert ein Kartenbild, das dir besser gefällt. Nur hast du dann keine Ahnung mehr, welchem davon du eigentlich vertrauen möchtest.

Wenn du eine Legung nicht verstehst, notiere sie.

Schreib deine Frage, die gezogenen Karten und deine erste Vermutung auf. Dann leg sie beiseite.

Manche Deutungen werden erst klar, wenn sich eine Situation weiterentwickelt. Genau dadurch lernst du mit der Zeit viel mehr über deine Karten als durch ständiges Neulegen.

Und manchmal stellst du später fest: Die erste Aussage war gar nicht so unverständlich. Du wolltest sie in diesem Moment lediglich nicht besonders gerne hören.

Auch das gehört zum Kartenlegen.

8. Sei besonders vorsichtig, wenn du selbst mitten im Thema steckst

Natürlich kannst du dir selbst die Karten legen. Ich mache das ebenfalls.

Schwieriger wird es, wenn du bei einer Frage emotional sehr stark beteiligt bist.

Nehmen wir an, du möchtest unbedingt, dass sich eine bestimmte Person wieder meldet. Dann ist es erstaunlich leicht, jede halbwegs freundliche Karte als baldige Nachricht zu interpretieren und eine weniger angenehme Karte irgendwie passend umzudeuten.

Das Problem sind in diesem Moment nicht die Lenormandkarten.

Das Problem sitzt davor. 😉

Bei solchen Themen lohnt es sich, besonders streng bei der ursprünglichen Frage und den Grundbedeutungen zu bleiben.

Wenn du merkst, dass du nur noch nach der gewünschten Antwort suchst, lege die Karten lieber für eine Weile beiseite.

Wie du bei eigenen emotionalen Themen möglichst sachlich mit deinen Karten arbeitest, gehört deshalb auf die eigene Seite zum Kartenlegen für dich selbst und muss hier nicht doppelt erklärt werden.

Kann man sich selbst die Karten legen?

Ja – aber die eigene Erwartung kann eine Deutung beeinflussen. Wie du Wunschdenken besser erkennst und deine eigenen Karten möglichst klar deutest, erfährst du hier:

→ Kartenlegen für dich selbst – darauf solltest du achten

9. Deine erste Legung muss nicht perfekt sein

Vielleicht legst du deine ersten drei Karten aus und denkst anschließend:

„Aha. Und jetzt?“

Das ist vollkommen in Ordnung.

Du lernst gerade eine neue Sprache. Niemand erwartet, dass du nach den ersten Vokabeln einen Roman schreibst.

Versuche deshalb nicht, aus jeder Legung unbedingt eine beeindruckende Geschichte zu machen. Formuliere lieber eine kleine, klare Aussage, die du aus den Karten tatsächlich begründen kannst.

Das ist wesentlich wertvoller als eine lange Deutung, bei der du selbst irgendwann nicht mehr weißt, wie du eigentlich darauf gekommen bist.

Notiere deine erste Einschätzung und schau später noch einmal darauf. Gerade diese frühen Legungen sind beim Lernen ausgesprochen interessant.

Nach einigen Wochen wirst du möglicherweise über eine deiner ersten Deutungen schmunzeln. Das ist kein Zeichen dafür, dass du damals „schlecht“ warst.

Im Gegenteil.

Es bedeutet, dass du inzwischen mehr erkennst.

Und genau darum geht es.

Brauchst du ein Ritual vor der Kartenlegung?

Nein – aber du darfst eines haben.

Eine Kartenlegung funktioniert nicht besser, weil eine Kerze brennt oder du vorher den Raum geräuchert hast. Trotzdem können solche kleinen Gewohnheiten durchaus sinnvoll sein.

Nicht für die Karten – sondern für dich.

Vielleicht hilft dir eine Tasse Kaffee, ein bestimmter Platz oder tatsächlich eine Kerze dabei, den Alltag für einen Moment beiseitezuschieben und dich auf deine Karten zu konzentrieren. Andere brauchen überhaupt nichts davon und legen ihre Karten genauso konzentriert am Küchentisch.

Ich finde, daraus muss man keine Glaubensfrage machen.

Wenn dir ein kleines Ritual hilft, ruhiger zu werden und dich auf deine Frage einzulassen, dann nutze es. Wenn du mit Räucherstäbchen eher den Rauchmelder als deine Intuition aktivierst, lässt du sie eben weg. 🙂

Entscheidend ist nicht das Ritual selbst. Entscheidend ist, dass du für einen Moment bei deiner Frage und bei deinen Karten ankommst.

Was du für deine erste Kartenlegung wirklich brauchst

Wenn du jetzt vor deinem ersten Kartenbild sitzt, halte es einfach.

Du brauchst eine klare Frage, ein vollständiges Lenormanddeck, etwas Ruhe und eine kleine Legung, die du noch überblicken kannst.

Du musst keine besondere Stimmung erzeugen und auch nicht darauf warten, dass sich plötzlich eine spektakuläre Intuition meldet.

Schau auf deine Karten. Erinnere dich an die Frage. Beginne mit den Grundbedeutungen. Nimm deinen ersten Eindruck wahr und prüfe, ob er zur Frage und zum Kartenbild passt.

Damit hast du für den Anfang bereits sehr viel richtig gemacht.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Vorbereitung: Nicht mit dem Anspruch an die Karten zu gehen, beim ersten Versuch bereits alles können zu müssen.

Denn Lenormand lernt man nicht, indem man einmal eine perfekte Legung hinbekommt.

Man lernt es, indem man legt, beobachtet, überprüft – und beim nächsten Mal schon ein kleines bisschen mehr erkennt.

LENORMAND IM SELBSTSTUDIUM

Wenn aus der ersten Legung mehr werden soll

Die ersten eigenen Kartenbilder machen neugierig – und meistens entstehen dabei ziemlich schnell neue Fragen. In meinem Lenormand-Onlinekurs lernst du Schritt für Schritt, Kartenbedeutungen zu verstehen, Karten miteinander zu verbinden und auch größere Legungen nachvollziehbar zu deuten.

Du lernst selbstständig in deinem eigenen Tempo und bekommst einen klaren Aufbau, praktische Übungen und Beispiele, an denen du deine Deutungen überprüfen kannst.

Kursinhalte und Ablauf ansehen

Fazit: Die beste Vorbereitung ist einfacher, als du denkst

Vor deiner ersten Kartenlegung musst du weder ein bestimmtes Ritual beherrschen noch besonders intuitiv sein. Viel wichtiger ist, dass du weißt, was du fragen möchtest, eine überschaubare Legung wählst und dir anschließend wirklich Zeit nimmst, das Kartenbild anzuschauen.

Erwarte von deiner ersten Legung keine Meisterleistung.

Vielleicht erkennst du sofort einen Zusammenhang. Vielleicht sitzt du auch erst einmal davor und denkst: „Das soll mir jetzt bitte was sagen?“

Beides ist völlig normal.

Mit jeder Legung sammelst du Erfahrung. Du wirst schneller erkennen, welche Bedeutung zu einer Frage passt, wie Karten miteinander sprechen und wann dein erster Eindruck tatsächlich hilfreich ist.

Fang klein an. Bleib neugierig. Und vor allem: Gib dir die Gelegenheit, die Karten selbst kennenzulernen, anstatt bereits bei der ersten Legung alles perfekt machen zu wollen.

Häufige Fragen vor der ersten Lenormand-Kartenlegung

Muss ich meine Lenormandkarten vor der ersten Benutzung reinigen oder einweihen?

Wie viele Karten sollte ich bei meiner ersten Legung ziehen?

Wie lange sollte ich die Lenormandkarten mischen?

Was mache ich, wenn ich meine erste Legung überhaupt nicht verstehe?

Darf jemand anderes meine Lenormandkarten anfassen oder mischen?

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